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III. Die Tschechen
1.
Kultur- und Gemeinschaftsleben.Im vergangenen Monat brachte die Sommerzeit ein starkes
Zurückgehen grösserer Veranstaltungen und Ereignisse des tschechischen
Volkslebens. Auch auf pressepolitischem Gebiet waren
besondere Vorkommnisse nicht zu verzeichnen. Demgegenüber stellte
die allgemeine Ferienzeit Fragen der Jugendlager, Erntehilfe,
Dorf- und Volkstumsarbeit sowie sportlicher Betätigung in den
Vordergrund.
Die durch das
Verbot der Sommerlager betroffenen tschechischen
Jugendorganisationen versuchten zunächst, ihre Lager ausserlich
in erlaubte Erholungslager umzubauen und diese über die
Bezirksjugendfürsorge-Kommissionen bei den Oberlandräten zur Anmeldung
zu bringen. Dies musste deutscherseits zur Folge haben,
dass nun auch bei Bewilligung von Erholungslagern ein strengerer
Masstab zur Anwendung kam, um jede Tarnungsmöglichkeit auszuschliessen.
Zweifellos hat das Generalverbot der tschechischen
Sommerlager als Schlag gegen die zu erwartende allgemeine Radikalisierung
der tschechischen Jugend voll seine Wirkung getan,
indem es die in grossem Stil geplante politische Ausrichtung der
tschechischen Jugend vereitelte.
In manchen Fällen trat der tarnende Zweck der neu beantragten
Bezirksjugendfürsorge-Lager ganz offen zutage, indem
Teilnehmerlisten früherer Junak- bzw. Sokollager mit denselben
Personen als verantwortlichen Leitern nach Abweisung
des ersten Lagerantrags unverändert von der Bezirksjugendfürsorge
eingegeben wurden. Nach der erneuten Ablehnung
setzte in der tschechischen Öffentlichkeit jeweils
eine starke Hetze gegen die deutschen Behörden ein, die
brutal das soziale und gesundheitliche Hilfswerk für die
tschechische Jugend unterbinden und sich nun sogar bereits
durch Kinder politisch bedroht fühlen würden. Trotz der
Verbote wurden nahezu in jedem Oberlandratsbezirk einzelne
kleinere Lager im geheimen durchgeführt.